OBS Audio-Routing erklärt 2026: Game, Mic, Discord & Musik sauber getrennt

Wenn dein Stream gut aussieht, aber dein Sound chaotisch ist, verlierst du Zuschauer schneller als du denkst - deshalb zeige ich dir hier ein klares OBS Audio-Routing, mit dem du Game, Mikrofon, Discord und Musik sauber trennst, kontrollierst und im Schnitt jederzeit flexibel bleibst.

OBS Audio-Routing: Game, Mic, Discord und Musik getrennt aufnehmen

1. Warum Audio-Routing in OBS überhaupt so wichtig ist

Viele starten mit dem Standard-Setup: OBS hört einfach alles, was Windows gerade ausgibt. Klingt erstmal bequem, ist aber in der Praxis ein Problem. Denn sobald du Discord, Musik, Game und Mikrofon in einem einzigen Audiomix hast, kannst du später kaum noch etwas reparieren:

  • Discord ist zu laut und überdeckt dein Mic - du kannst es nicht getrennt leiser ziehen.
  • Musik war zu laut oder zu leise - im Schnitt nicht mehr sauber korrigierbar.
  • Game-Sound clippt - du musst das ganze Video wegwerfen oder mit Notlösungen leben.
  • Du willst eine "Clean"-Tonspur ohne Musik für Re-Uploads oder Shorts - geht nicht.

Ein gutes Routing macht dein Setup skalierbar: du kannst live sauber mischen und bekommst zusätzlich getrennte Spuren für die Postproduktion.


2. Zielbild: So soll dein Setup am Ende aussehen

Unser Ziel ist ein Setup, bei dem du im Stream alles stimmig hörst, aber in der Aufnahme (und idealerweise auch für den Schnitt) getrennte Spuren hast:

Quelle Im Stream? In Aufnahme getrennt? Typischer OBS Track
Game Audio Ja Ja Track 2
Mikrofon Ja Ja Track 3
Discord / Voice Chat Ja Ja Track 4
Musik Optional (je nach Plattform) Ja Track 5
Stream-Mix (alles zusammen) Ja Optional Track 1

Wichtig: Track 1 ist oft der "Master"-Mix. Für viele Workflows ist es super, Track 1 = Stream-Mix zu haben, und Tracks 2-5 als getrennte Einzelspuren.


3. Die 3 Routing-Strategien (und welche du nehmen solltest)

3.1 Strategie A: Nur OBS, ohne Extras (geht - aber begrenzt)

OBS allein kann Quellen trennen, aber es braucht dafür entweder:

  • separate Audio-Devices (z.B. Game auf Headset A, Discord auf Headset B) oder
  • Application Audio Capture (für einzelne Apps) und ein sauberes Windows-Routing.

Vorteil: wenig Zusatzsoftware. Nachteil: du stößt schneller an Grenzen, je komplexer dein Setup wird.

3.2 Strategie B: Windows + Application Audio Capture (für die meisten der Sweetspot)

Das ist heute für viele Creator der beste Weg: du routest in Windows gezielt, welche App auf welches Ausgabegerät geht, und OBS "zieht" sich die Apps separat rein (Game separat, Discord separat, Musik separat). Ergebnis: sauber, stabil, ohne riesigen Mixer.

3.3 Strategie C: Voicemeeter / virtuelle Mixer (maximal flexibel, aber mehr Setup)

Tools wie Voicemeeter (Banana/Potato) oder andere virtuelle Audio-Router sind extrem mächtig: mehrere virtuelle Ein- und Ausgänge, separate Busse, Hardware-Inputs, Monitoring auf mehreren Geräten. Wenn du viele Quellen, mehrere PCs oder Spezialfälle hast, ist das top - aber es ist auch mehr Fehlerpotenzial.

Für diesen Artikel nehmen wir als Hauptweg Strategie B (Windows + Application Audio Capture) - und danach zeige ich dir, wann sich Strategie C lohnt.


4. Schritt-für-Schritt: Game, Mic, Discord, Musik getrennt in OBS

4.1 Vorbereitung in Windows: Standardgeräte sinnvoll setzen

Stell zuerst klar ein, was dein "Standard" ist:

  • Standard-Ausgabegerät: dein Headset oder Lautsprecher
  • Standard-Eingabegerät: dein Mikrofon

Wichtig: Wenn du später Apps separat capturen willst, ist es oft sinnvoll, dass nicht alles über das Standardgerät in OBS landet. Sonst nimmst du doppelt auf.

4.2 OBS: Globale Audio-Geräte bewusst einstellen

Gehe in OBS auf Einstellungen - Audio. Dort kommt der wichtigste Fehler, den fast alle machen: Alles aktiv lassen.

  • Desktop-Audio: entweder AUS oder nur dann AN, wenn du es wirklich als "Alles"-Fallback willst.
  • Mik/Aux: dein Mikrofon auswählen (oder auch AUS, wenn du Mic lieber als eigene Quelle hinzufügen willst).

Meine Empfehlung für saubere Trennung: Desktop-Audio AUS und Quellen gezielt hinzufügen. Dadurch vermeidest du "Doppel-Audio" (Echo/Phasing).

4.3 Quellen hinzufügen: Application Audio Capture (pro App)

In deiner Szene fügst du nun Audioquellen hinzu:

  1. Game: Quelle hinzufügen - "Application Audio Capture" - Spiel auswählen
  2. Discord: "Application Audio Capture" - Discord auswählen
  3. Musik: "Application Audio Capture" - Spotify/Browser/Musik-App auswählen
  4. Mikrofon: "Audioeingabeaufnahme" - dein Mic auswählen

Du siehst jetzt im OBS-Audiomixer getrennte Kanäle. Das ist der Moment, wo es "klick" macht: du kannst alles unabhängig regeln.


5. Tracks richtig setzen: Stream-Mix + getrennte Spuren

Jetzt kommt der Teil, der dir später Stunden rettet: Tracks. In OBS kannst du pro Quelle festlegen, auf welche Audiospuren sie geschrieben wird.

Öffne den Mixer - klicke auf das Zahnrad einer Quelle - Erweiterte Audioeigenschaften.

Quelle Track 1 (Stream-Mix) Track 2 Track 3 Track 4 Track 5
Game Ja Ja Nein Nein Nein
Mikrofon Ja Nein Ja Nein Nein
Discord Ja Nein Nein Ja Nein
Musik Ja (oder Nein) Nein Nein Nein Ja

Wichtig: In den OBS-Ausgabe-Einstellungen stellst du dann ein, welche Tracks in die Aufnahme geschrieben werden.

5.1 Aufnahme-Einstellungen: Welche Tracks werden gespeichert?

Gehe auf Einstellungen - Ausgabe - Aufnahme und setze:

  • Aufnahmespur: aktiviere Track 1-5 (oder 1-4, wenn du keine Musik getrennt brauchst)
  • Format: idealerweise MKV (stabiler) und danach Remux zu MP4

MKV ist für Creator extrem praktisch: Wenn OBS abstürzt, ist die Datei trotzdem meist nicht kaputt. MP4 kann bei Abbrüchen schneller unbrauchbar sein.


6. Monitoring richtig lösen: Was du hörst vs. was der Stream hört

Der Klassiker: Du willst Discord lauter machen, aber dann wird Discord im Stream zu laut. Oder du hörst Musik nicht, aber der Stream hört sie. Das liegt daran, dass du zwei Ebenen hast:

  • Monitoring: was du auf deinem Headset hörst
  • Output: was OBS an Aufnahme/Stream ausgibt

6.1 Das OBS-Monitoring (einfacher Einstieg)

In den Erweiterten Audioeigenschaften kannst du pro Quelle einstellen:

  • Monitor Aus (Standard)
  • Nur Monitor (du hörst es, Stream nicht)
  • Monitor und Ausgabe (du hörst es, Stream auch)

Typischer Anwendungsfall: Du möchtest eine "private" Quelle hören (z.B. Test-Sound), aber nicht streamen - dann nimm "Nur Monitor".

6.2 Monitoring Device festlegen

In OBS unter Einstellungen - Audio - Erweitert stellst du dein Monitoring-Gerät ein (meist dein Headset).


7. Pegel, Kompression, Limiter: So klingt es professionell

Sauberes Routing ist die Basis. Danach kommt die Qualität:

7.1 Zielpegel (Faustregeln, die in der Praxis funktionieren)

  • Mikrofon: im normalen Sprechen meist um -10 dB bis -6 dB Peaks
  • Game: eher darunter, damit es nicht die Stimme frisst (z.B. -20 dB bis -12 dB je nach Spiel)
  • Discord: ähnlich wie Game, oft leicht leiser als dein Mic
  • Musik: deutlich leiser als Sprache (oft -25 dB bis -18 dB, je nach Genre)

Das sind keine "Gesetze", aber ein guter Startpunkt. Wichtig ist: Sprache ist der Fokus.

7.2 Filter-Empfehlung fürs Mikrofon (einfach, aber effektiv)

  • Noise Suppression (leicht, nicht übertreiben)
  • Noise Gate (damit Tastatur/Room Noise weniger nervt)
  • Kompressor (macht Stimme konstant, weniger Lautstärke-Sprünge)
  • Limiter (verhindert Clipping bei lauten Peaks)

Wenn du nur einen Filter wirklich ernst nehmen willst: Limiter. Der rettet dir Streams, wenn du lachst, schreist oder ein Spiel plötzlich explodiert.


8. Häufige Probleme und schnelle Lösungen

8.1 Echo oder "Doppelton"

Ursache: Desktop-Audio ist aktiv und du capturst zusätzlich Apps. Lösung: Desktop-Audio AUS oder App-Capture deaktivieren. Immer nur eine Methode pro Quelle.

8.2 Discord kommt nicht an

Ursache: Discord-Ausgabe läuft auf einem anderen Gerät als du capturst. Lösung: In Discord unter Audio-Einstellungen das Ausgabegerät festlegen und in OBS die richtige App capturen.

8.3 Musik soll nicht in die Aufnahme (aber im Stream sein)

Lösung: Musik auf Track 1 aktiv lassen (Stream-Mix), aber im Aufnahme-Track-Set z.B. Track 5 nutzen und Track 5 später im Schnitt weglassen. Alternativ Musik im Aufnahme-Profil deaktivieren.

8.4 Du hörst etwas nicht, aber der Stream hört es

Ursache: Monitoring ist aus. Lösung: "Monitor und Ausgabe" aktivieren oder Monitoring Device korrekt setzen.


9. Wann lohnt sich Voicemeeter oder ein virtueller Mixer?

Wenn du eines davon machst, lohnt sich Strategie C oft:

  • Du hast zwei PCs (Gaming-PC + Streaming-PC)
  • Du willst mehrere Monitoring-Ausgänge (z.B. Headset + Speakers + Capturing Device)
  • Du brauchst separate Busse für Stream, Aufnahme, Teamspeak, Musik, Alerts, etc.
  • Du willst Hardware-Inputs mischen (XLR-Interface, Mixer, mehrere Mics)

Für 90% der Creator reicht aber Windows + App-Capture + Tracks völlig aus. Es ist stabiler, schneller eingerichtet und leichter zu debuggen.


10. Mini-Check: Dein Setup in 60 Sekunden prüfen

  • Desktop-Audio ist aus (oder bewusst als All-in-One genutzt, aber dann keine Doppel-Captures).
  • Game, Discord, Musik sind eigene Quellen im OBS-Mixer.
  • Tracks sind sauber gesetzt (Track 1 Mix, Track 2-5 getrennt).
  • Aufnahmeformat ist idealerweise MKV (mit Remux zu MP4).
  • Mikrofon hat mindestens Limiter aktiviert.
  • Monitoring Device ist korrekt gesetzt (du hörst, was du hören willst).

Fazit: Sauberes Routing = weniger Stress und bessere Videos

Wenn du dein Audio einmal sauber trennst, fühlt sich OBS plötzlich nicht mehr wie Chaos an, sondern wie ein kontrolliertes System: du mischst live, du rettest Fehler im Schnitt und du kannst Inhalte in Shorts, Re-Uploads und Plattform-Versionen viel professioneller wiederverwenden.

Das wichtigste Mindset ist simpel: Audio ist nicht nur "Ton", Audio ist Kontrolle. Und Kontrolle ist das, was deinen Stream und deine Videos langfristig wie "Pro-Level" wirken lässt - selbst wenn du alleine produzierst.


Key Takeaways

  • Trennung ist King: Game, Mic, Discord, Musik als eigene Quellen statt "alles über Desktop".
  • Tracks nutzen: Track 1 = Stream-Mix, Tracks 2-5 = Einzelspuren für Schnitt.
  • Monitoring verstehen: Was du hörst ist nicht automatisch das, was der Stream hört.
  • Limiter rettet: Verhindert Clipping und macht deine Stimme "sicher".
  • Keep it simple: Erst Windows + App-Capture, Voicemeeter nur bei echten Spezialfällen.